Demenzratgeber

 

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Demenz
Ein Ratgeber für Angehörige
Demenzkranker
in Bochum

8. Auflage 2015
© 2012 ev. Fachhochschule RWL
Verantwortlich für den Inhalt:
Prof. Dr. Ursula Henke
Marcus Graf
Lisa Lindenberg
Bastian Schott
Patrick Weinert

Sehr geehrte Leserinnen und Leser,

vielleicht ist bei Ihrem nahen Angehörigen in der letzten Zeit die Erkrankung Demenz diagnostiziert worden. Wenn es so ist, so hat sicherlich der Verdacht oder die Diagnose einer Demenz bei Ihnen viele Fragen ausgelöst und Unruhe erzeugt.

Wir möchten Ihnen mit Hilfe dieser Broschüre in verständlicher Form einen ersten Überblick über die Erkrankung Demenz und über Unterstützungsmöglichkeiten in Bezug auf Betreuung, Wohnen, die Situation der Angehörigen und rechtliche Aspekte geben. Wir stellen Ihnen  Informationen vor, die dazu beitragen können, das Wohlbefinden der erkrankten Person auch im fortschreitenden Krankheitsprozess zu erhalten. Wir nennen Ihnen Ansprechpartner bzw. Adressen in Bochum zur effektiven Unterstützung.

Ziel ist es, Ihnen Hilfen anzubieten, die Sie die Veränderungen des Lebens mit der Erkrankung leichter bewältigen lassen.

Die Broschüre ist jedoch nur der erste Teil unserer Arbeit.

Sie finden unter http://www.demenzratgeber.info die mit informativen Internetseiten verknüpfte Version. Sie können neben den Links die im Text unterstrichenen Worte anklicken und es erscheinen die von uns zusammengestellten Originalseiten im Internet, die Sie über das Thema detaillierter informieren. Einige Seiten bauen sich langsam auf. Bitte haben Sie etwas Geduld. Unsere Arbeit beruht auf einer intensiven Literatur- und Internetrecherche, die Ihnen die neuesten Erkenntnisse zusammenfasst. Eine regelmäßige Überarbeitung durch die AG-Demenz wird erfolgen.

 

1. Was ist eine Demenz?

Liebe Betroffene, Liebe Angehörige,

vielleicht haben Sie sich in letzter Zeit gefragt, warum Ihr Ehepartner immer öfter die Namen der Enkelkinder vergisst oder Sie ihn letzte Woche vom Arzt abholen mussten. Er/Sie erkannte die Umgebung nicht wieder. Auch seine/ihre Stimmungsschwankungen von aggressiv bis teilnahmslos beunruhigen Sie. Ebenso stellen Sie fest, dass diese Symptome immer stärker werden und neue dazu kommen. Ihre Mutter/Vater lässt öfters brennende Kerzen oder Bügeleisen an, wenn aus dem Haus geht.

Nicht grundlos fragen Sie sich: „Wird meine Mutter/Vater, mein Mann/Frau dement??“.

Demenz

Was bedeutet das eigentlich? Ist das normal im Alter? Hat das Jeder ab 60? Wann muss der Betroffene zum Arzt? Wie kann für Sicherheit im Haus sorgen???

Hier werden Sie einige Antworten auf Ihre Fragen finden. Kleine Wegweiser helfen vielleicht, die ersten Schritte zu wagen. Kleine Schritte in einen großen Kampf.

Definition von Demenz

Das Wort wird aus dem Lateinischen abgeleitet und bedeutet:

Es erfolgen also Störungen der Gedächtnisfunktionen und der intellektuellen Leistungen, die den Erkrankten an einem normalen Leben hindern und seine Lebensaktivitäten beeinträchtigen. Sein Verhalten weicht zunehmend von früheren Mustern ab.

Bevor Sie sich die pathologischen Veränderungen des Gehirns anschauen, ist es von Bedeutung, dass Ihnen der Unterschied zu „normalen“ altersbedingten Gehirnfunktionen bekannt ist.

Die altersbedingten Veränderungen der Gehirnfunktionen

- Die abnehmende Zahl der Nervenzellen im Gehirn im Verlauf des Lebens

- Abnahme der intellektuellen Leistungsfähigkeit schon bei 50-Jährigen(bei fehlender geistigen Anregung)

- Allgemein: bei alten Menschen gehen Konzentrationsfähigkeit, Schreibgeschwindigkeit und Leistung des Kurzzeitgedächtnisses zurück

Es ist somit ganz normal, im Alter vergesslich zu werden, sich nicht sofort an das von Gestern zu erinnern. Um dies noch besser darzustellen, wird im nächsten Kapitel die Physiologie des Gedächtnisses erläutert.

Das Gedächtnis

Das Gedächtnis brauchen wir um Lernprozesse, Erfahrungen, Wahrnehmungen und Eindrücke wieder abrufen zu können („unsere persönliche Bibliothek“).

Der bewusste Umgang mit den Gedächtnisinhalten wird als Denken bezeichnet.

Das Gedächtnis hat aber keine unbegrenzte Kapazität. Dies wird im Alltag dann deutlich, wenn wir uns an Dinge nur noch bruchstückhaft oder gar nicht mehr erinnern können.

Die Gedächtnisarten

„Wir bauen ein Leben lang „unsere persönliche Bibliothek“ auf. Das Bücherregal ist ein Symbol für das Gedächtnis eines Menschen. Im Laufe des Lebens legen wir beständig verschiedene Ordner/Bücher zu unterschiedlichen Lebens- und Arbeitsbereichen an und gliedern neugewonnene Daten in bereits bestehende ‚Ordner‘ ein. Neue Informationen, die mit den Sinnen aufgenommen werden, gelangen zunächst in das Kurzzeitgedächtnis, wo sie nur kurz verweilen. Um sich an diese Informationen zum späteren Zeitpunkt erinnern zu können, müssen sie in das Langzeitgedächtnis transportiert werden. Besonders Gefühle, Geräusche, Bilder, Töne, Gerüche werden im Langzeitgedächtnis abgespeichert.“

Das „WIE und WAS“ unser Gedächtnis speichert ist wichtig zu wissen, da dies durch die DEMENZ betroffen ist.

Unterscheidung von Gedächtnis nach Speicherkapazität

Nach dem kurzen Exkurs zur Physiologie der Funktionen des Gehirns können Sie besser erkennen, warum die dementiellen Veränderungen nicht mehr „normal und altersgerecht“ sind.

Der Gedächtnisabbau von Demenzerkrankten

- Gehirn weigert sich, aktuelle Daten zu speichern: zuerst werden die Namen vergessen, dann die Zahlen und die Zeit, dann die Gegenwart

- Mit dem Fortschreiten der Erkrankung wird auch das Langzeitgedächtnis betroffen

- Durch den Bezugsverlust zum Zeitgeschehen, schwelgt der Kranke in Erinnerungen

- Die Kranken leben mit den Bildern einer bestimmten Lebensperiode, z. B. als Kind oder junge Mutter oder Geschwister; sie fühlen sich jung, sind berufstätig,…

Diese Symptome kommen Ihnen wahrscheinlich vor. Dann ist es höchste Zeit, Ihre Befürchtungen, dem Arzt anzuvertrauen.

 Epidemiologie/Auftreten

Ca. 800.000 Erkrankte in Deutschland, 50.000 Erkrankte kommen pro Jahr dazu (destatis, 2012)

Obwohl die Demenz (s.o.) mittlerweile keine unbekannte und seltene Erkrankung ist, ist es immer noch eine Schockdiagnose für die Betroffenen und Angehörige. Die Krankheit kann noch nicht geheilt werden, aber durch mehr Wissen über die pathologischen Veränderungen im Gehirn, kann die Lebenssituation der betroffenen Menschen verbessert werden.

Dabei ist es sehr wichtig zu erfahren, dass es verschiedene Formen der Erkrankung Demenz gibt. Denn einige Formen „heilbar sind“.

Demenzformen

Demenz ist der Oberbegriff für verschiedene krankhafte Prozesse im Gehirn. Man unterscheidet zwischen primäre und sekundäre.

Bei den primären Demenzen liegt die Ursache im Gehirn und diese sind entweder: vom degenerativen (funktionseinschränkend) oder vaskulären (gefäßbedingt)Typ. Der sekundären Form von Demenz liegt die Ursache in anderen Körperorganen (nicht im Gehirn)( siehe untere Aufteilung). Der Rest sind andere Formen (z. B. Frontotemporale Demenz, Lewy-Body-Demenz).

Primäre Demenz

Sekundäre Demenz

Alzheimer Demenz (Senile Demenz vom Alzheimer Typ (SDAT)

Alzheimer Demenz gehört zu den primären Demenzen. Die Ursache liegt also im Gehirn.

http://www.deutsche-alzheimer.de/die-krankheit/die-alzheimer-krankheit.html

Die Unterscheidung der Phasen der Alzheimerdemenz ist unerlässlich, um die Lebensqualität der Betroffenen zu gewährleisten und möglichst lange, ein selbständiges Leben in der vertrauten, häuslichen Umgebung zu ermöglichen.

Phasen der Alzheimerdemenz

Frühes Stadium:

Fortgeschrittenes Stadium:

 

Spätes Stadium:

Weiterführende Links

Sie finden unter folgender Adresse sowohl eine detaillierte Darstellung der Erkrankung als auch die Beschreibung der Untersuchung beim Arzt und wichtige Informationen über die zu verabreichenden Medikamente. Ebenso finden Sie unter folgender Adresse viele Informationen, zu Therapie/Pflege bei Demenz.

Leitlinien Demenz – Home

Adressen über behandelnde Spezialisten finden Sie unter folgendem Link:

Gedächtnissprechstunden

2. Nicht-medikamentöse Therapien und Betreuungskonzepte

Nicht-medikamentöse Therapien und Betreuungskonzepte: Allgemeine Hinweise:

Neben ärztlich verordneten Medikamenten bewähren sich zusehends in der Begleitung demenzkranker Menschen auch nicht-medikamentöse Therapien. Sowohl medikamentöse als auch nicht-medikamentöse Therapien können den Zustand des demenzkranken Menschen nicht heilen, jedoch den Verlauf der Erkrankung verzögern und somit zum Wohlbefinden des erkrankten Menschen beitragen. Die folgenden Seiten möchten einen Überblick über die möglichen nichtmedikamentösen Therapien geben. Die Entscheidung für die Anwendung einer möglichen Therapie/eines Betreuungskonzeptes ist individuell zu treffen, hier hat es Sinn, dass Sie als Angehöriger sich Gedanken über die Vorlieben des erkrankten Menschen machen. Ebenso können Sie die Demenzberatungsstellen besuchen und sich dort über den Einsatz nicht-medikamentöser Therapien beraten lassen. Die Adressen finden Sie folgend:

http://www.patientenleitlinien.de/Demenz/demenz.html

http://www.demenz-ratgeber.de/dr_Adressen.html

DRK-Alzheimerhilfe Bochum

An der Holtbrügge 8

44795 Bochum

Telefon: 0234-9445-147

oder

Alzheimergesellschaft Bochum e.V.

Universitätsstrasse 77

44789 Bochum

Telefon: 0234-337772

 

Behandlungen aus dem Bereich der Physiotherapie (=Krankengymnastik), der Ergotherapie (=Beschäftigungstherapie) und der Logopädie (=Therapie bei Sprach- und Sprechstörungen) sind als sinnvoll anzusehen, solange sie den Demenzkranken nicht überfordern. Sie können durch den Hausarzt verordnet werden. Aus den gerade genannten Bereichen bzw. auch aus der Verhaltenstherapie haben sich weitere nicht-medikamentöse Therapien entwickelt, die speziell auf Demenzkranke ausgerichtet sind.

 

Realitätsorientierungstraining

Beim Realitätsorientierungstraining (kurz: ROT) werden den erkrankten Menschen kontinuierlich Reize angeboten, die ihm bei der Orientierung helfen. Dazu gehört einerseits der gezielte Einsatz von Uhren, Kalendern und anderen Hilfsmitteln, andererseits eine orientierende Kommunikation seitens der Angehörigen und des betreuenden Umfeldes. Ziel dieses Betreuungskonzeptes ist es, dem Betroffenen die aktuelle Realität zu erhalten und damit Selbständigkeit und Wohlbefinden zu fördern. ROT ist im frühen Stadium der Erkrankung sinnvoll, sollte jedoch in den folgenden Stadien nicht mehr zum Einsatz kommen.

http://www.we-serve-you.de/anne/index.htm?betreuungskonzepte.htm

 

Validation

Ein grundlegend anderes Konzept und in allen weiteren Stadien der Erkrankung ist die Validation. Validation kann mit Wertschätzung übersetzt werden. Darunter ist eine Haltung dem Erkrankten gegenüber zu verstehen, die dessen Äußerungen und Handlungen akzeptiert, ohne dass verbessernd oder korrigierend eingegriffen wird. Durch validierende Kommunikation fühlt sich der Betroffene akzeptiert und verstanden, Stress und Ängste, die die Erkrankung mit sich bringt, können abgebaut werden.

http://www.apotheken-umschau.de/Alzheimer/Validation-Mit-Demenzkranken-richtig-sprechen-125901.html

 

Verhaltenstherapie

Die Verhaltenstherapie hat zum Ziel die Selbständigkeit des Patienten zu erweitern und verlorengegangene Kompetenzen zurückzugewinnen. Dies wird durch das positive Verstärken beziehungsweise das „Belohnen“ gewünschten Verhaltens erreicht.

Als alltagsorientierte, strukturierte Therapieform zielt sie auf den Aufbau von Fertigkeiten die zur Alltagsbewältigung nötig sind ab (z.B. Baden, Anziehen oder selbständiges Essen) und wirkt durch diese positiven Erfahrungen der Entstehung depressiver Symptome entgegen.

http://www.alzheimer-forschung.de/alzheimer-krankheit/aktuelles.htm?showid=2821

http://www.deutsche-alzheimer.de/fileadmin/alz/pdf/factsheets/FactSheet06.pdf

Erinnerungstherapie

Der Verlust des Gedächtnisses und der Merkfähigkeit ist eines der Leitsymptome der Demenz. Bestimmte Therapien und Konzepte versuchen, auf spielerische Art und Weise (zum Beispiel durch das Betrachten alter Fotos, das Erzählen vergangener Geschichten) das Gedächtnis zu stabilisieren. Die Erinnerungstherapie soll, um Überforderung zu vermeiden, dem Erkrankten nur angeboten werden, solange dessen Langzeitgedächtnis vorhanden ist. Dies ist jedoch durchaus noch in fortgeschrittenen Stadien der Erkrankung der Fall.

Gedächtnistraining

Dieses Konzept eignet sich, ebenso wie das Realitätsorientierungstraining (siehe Punkt 1.), lediglich zur Betreuung Demenzkranker im Frühstadium der Erkrankung. Hier soll durch Merkspiele und Konzentrationsübungen das schwindende Gedächtnis trainiert und beweglich gehalten werden. Ähnlich wie die Erinnerungstherapie kann das Gedächtnistraining als Gruppenangebot verstanden werden.

http://www.akademie-gedaechtnistraining.de

10-Minuten-Aktivierung

Die Methode der 10-Minuten-Aktivierung ist eine weitere Form der Erinnerungsarbeit. Sie beruht auf der Erkenntnis, dass der demenziell Erkrankte durch Gegenstände aus früherer Zeit stimuliert und ins Gespräch gezogen werden kann. Mit vertrauten Gegenständen aus unterschiedlichen Lebensbereichen (Küche, Büro, Handwerk…) werden Erkrankte befähigt, sich zu interessieren, sich an Gesprächen zu beteiligen, sich zu erinnern und Kontakt mit ihrer Umgebung aufzunehmen. Die 10-Minuten-Aktivierung eignet sich auch für Erkrankte in fortgeschrittenen Stadien, auf die Gefahr einer Überforderung wird durch die zeitliche Begrenzung (10 Minuten) reagiert.

http://www.demenz-stationär.de/aktivierung.html

Snoezelen

Der Begriff “Snoezelen” ist ein Kunstwort. Es leitet sich aus den beiden niederländischen Worten snuffelen (schnüffeln, tun, was man will) und doezelen (dusseln, entspannen) ab. “Snoezelen” beschreibt eine Methode, die Mitte der 70er Jahre in Holland als Freizeitangebot für Schwerst- und Mehrfachbehinderte entwickelt wurde, jedoch auch in der Betreuung von an Demenz erkrankten Menschen mittlerweile etabliert ist. “Snoezelen” erfolgt meist in speziell ausgestatteten Räumen. In einer ruhigen, entspannten und stimmungsvollen Atmosphäre werden dort die primären Sinne durch Musik, Lichteffekte, leichte Vibrationen, taktile Stimulationen und angenehme Gerüche angesprochen. Sie fördern ein Gefühl von Wohlbefinden, Sicherheit und Entspannung, ohne irgendwelche intellektuellen Anforderungen zu stellen. “Snoezelen” kann somit auch Betroffenen in späten Stadien angeboten werden.

http://www.snoezelen-stiftung.de/

Basale Stimulation

Viele demenzkranke Menschen im Spätstadium sind nicht mehr in der Lage, ihre Umwelt auf die uns bekannte Weise wahrzunehmen. Basale Stimulation in der Pflege ist ein Förderkonzept, in dessen Mittelpunkt der Aufbau einer Beziehung zum Demenzkranken steht. Bei einer Demenzerkrankung tritt die Sprache in den Hintergrund, besonders in der späten Krankheitsphase. Die Basale Stimulation regt  z.B. durch Aktivierung des Gleichgewichtssinns, durch Körperkontakt (z. B. Massagen oder Einreibungen) oder durch Vibrationsreize basale Sinne an. Dieser Ansatz kommt besonders dann zum Tragen, wenn eine Kontaktaufnahme durch Sprache nicht mehr möglich ist.

http://www.basale-stimulation.de/konzept/

Milieutherapie

Bei der Milieutherapie wird das Umfeld des Betroffenen genau betrachtet und unter dem Aspekt des größtmöglichen Erhalts der Selbstständigkeit des Demenzkranken den Gegebenheiten angepasst. Diese Anpassung kann Auswirkungen auf die räumliche Gestaltung der Umgebung haben, aber auch auf die Tagesstruktur bzw. auf die soziale Umgebung. Ziel ist es, die Fähigkeiten des Betroffenen zu erhalten, ihm Beständigkeit, Ordnung und Geborgenheit zu vermitteln und Symptome wie Angst und Unruhe zu reduzieren.

http://www.alzheimerforum.de/3/1/6/8/mhfdk.html

Bewegungstherapie/Gymnastik/Tanz

Die Bewegungstherapie bei Demenz orientiert sich an der jeweils im Vordergrund

stehenden körperlichen Symptomatik der/des Erkrankten. So kann sie sich beispielsweise auf die Verringerung des Sturzrisikos beziehen, das bei Demenzpatienten deutlich erhöht ist. Vorrangiges Ziel ist jedoch der Erhalt der Beweglichkeit bei fortschreitendem Krankheits-verlauf. Bewegungstherapie kann mit den Schwerpunkten Gymnastik oder Tanz als Gruppenveranstaltung angeboten werden.

Weitere Betreuungskonzepte

Die Demenzerkrankung ist durch den Verlust der kognitiven Fähigkeiten gekennzeichnet. Das emotionale Erleben und die Gefühle des Erkrankten bleiben auch bei fortschreitender Demenz erhalten. Deshalb sind Betreuungskonzepte, die sich mit der Gefühlswelt der Betroffenen beschäftigen, auch in späten Stadien sinnvoll. Hierzu zählen die Musiktherapie oder die Aktivierung durch Musik. Melodien und Texte von Volksliedern bleiben im Gedächtnis der Erkrankten recht lange erhalten und die Beschäftigung damit (z. B. durch gemeinsames Singen) ist eine Methode, Gruppenzugehörigkeit, Selbstvertrauen und Wohlbefinden zu fördern.

Viele Erkrankte reagieren positiv auf Haustiere wie Hunde oder Katzen und beschäftigen sich gern mit ihnen. In vielen stationären Einrichtungen werden bereits sogenannte “Hunderunden” zur Betreuung demenziell erkrankter Bewohner eingesetzt.

Die Kunst- oder auch Mal-/Gestalttherapie bietet dem Demenzkranken über das Gestalten eigener Bilder neue Sinneserlebnisse. Meist ist eine gesteigerte Konzentration zu beobachten, ebenso Entspannung und Ruhe. Die Kunsttherapie kann dem Demenzkranken in jedem Stadium angeboten werden. Sie sollte jedoch von einer ausgebildeten Kunsttherapeutin ausgeführt werden.

http://www.alzheimerforum.de/3/1/6/12/mmadp.html

Klangräume

Die Klang-Räume sind ein Kooperations-Projekt der Ev. Fachhochschule RWL und der DRK-Alzheimerhilfe mit der Firma Klang-Räume aus Bergisch-Gladbach. Im DRK Altenheim haben demenzkranke Menschen Gelegenheit, besonders schöne Klang-Objekte, wie z.B. Gongs, zu spielen. Diese Instrumente lassen Klänge selbst bei geringem Kraftaufwand entstehen und ermöglichen unterschiedliche sinnliche Erfahrungen. Ziele des Angebots„Klang-Räume“ sind die Förderung der Wahrnehmung der eigenen Person, die Stärkung des Selbstwertgefühls und die Verbesserung der Kommunikation. Das Konzept der „Klang-Räume“ berücksichtigt in erster Linie das Hören und Spüren der Klänge.

Informationen zum Thema Klang-Räume erhalten Sie bei der DRK-Alzheimerhilfe unter folgender Telefonnummer: 0234/9445147 (Frau Mäckmann/Frau Reekers)

3. Kommunikationshilfen

 

Bei der Kommunikation mit Demenzkranken sollten grundlegende Dinge beachtet werden.

Kommunikation mit Menschen mit Demenz

Menschen mit Alzheimer oder anderen Formen der Demenz verlieren nach und nach ihre Fähigkeit zu kommunizieren. Dieser Umstand ist für alle Beteiligten schmerzlich. Normale Gespräche mit dem Partner, der Mutter oder dem Vater werden zunehmend schwieriger und mit dem Fortschreiten der Erkrankung letztendlich  unmöglich. Wichtig ist dabei, sich immer wieder in die Situation des Erkrankten hineinzuversetzen, um bestimmte Verhaltensweisen, wie beispielweise Aggression besser verstehen zu können. Dann gibt es Möglichkeiten, trotz der Erkrankung im Kontakt und im Gespräch zu bleiben.

Menschen mit Demenz nehmen ihre Umgebung und Gespräche anders wahr, als Menschen ohne Demenz, viele Inhalte werden nicht mehr verstanden, führen zu Orientierungslosigkeit und Überforderung, diese wiederum löst Angst, Wut, Verstörtheit und Hilflosigkeit aus. Kommunikation zwischen orientierten Menschen findet normalerweise vom Allgemeinen zum Spezifischen statt, bei Demenzerkrankten  erfolgt Kommunikation genau andersherum. Demenzkranke reagieren und kommunizieren direkt und emotionaler, dies erfordert eine sofortige Reaktion vom Gegenüber und dann zunehmende Verallgemeinerung. Im Folgenden sind die wichtigsten Kommunikationsregeln aufgeführt:

das heißt sich auf die Situation des Betroffenen einzustellen, denn umgekehrt geht es nicht mehr; Fragen und Sätze sollten geduldig wiederholt werden, was oftmals schwer fällt; Gegebenenfalls kann man auch auf ein anderes Thema lenken, wenn man nicht weiter kommt; Eskalationen und Diskussionen sollten vermieden werden, um Aggressionen und Konflikte zu vermeiden.

Demenzkranke werfen oft Vergangenheit und Gegenwart durcheinander, gutes Zureden und Argumente helfen dabei nicht, es geht darum, sich in die Realität des Betroffenen hineinzuversetzen und die Äußerungen, Gefühle und das Verhalten des Betroffenen ernst zu nehmen. Manche Botschaften können auch nonverbal durch Berührungen wie Streicheln, in den Arm nehmen oder bestimmte Massagen vermittelt werden

Kommunikationshilfe durch Erinnerungsstützen:

z.B. kleine Erinnerungszettel mit Informationen für den Alltagsablauf am Kühlschrank oder am Badezimmerspiegel, da ein strukturierter, klarer Tagesablauf dem Betroffenen mehr Sicherheit gibt

Ein Familienposter mit Bildern und Namen aller Haushaltsmitglieder, inklusive Haushaltshilfen oder Pflegekräften

Ein Erinnerungsbuch in Form eines Fotoalbums mit schönen, für den Betroffenen wichtigen Personen und vergangenen Erlebnissen mit einer kurzen Situationsbeschreibung oder Anekdote als Grundlage für ein Gespräch mit dem Betroffenen

Die wichtigsten Kommunikationsregeln:

https://www.wegweiser-demenz.de/richtig-kommunizieren.html 

https://www.wegweiser-demenz.de/richtig-kommunizieren.html

http://www.greifswald.de/uploads/media/DEMENZ-Ratgeber_fuer_pflegende_Angehoerige.pdf

http://www.deutsche-alzheimer.de/unser-service/archiv-alzheimer-info/kommunikation-mit-menschen-mit-demenz-guter-kontakt-ist-moeglich.html

http://www.deutsche-alzheimer.de/unser-service/archiv-alzheimer-info/nonverbale-kommunikation-in-der-spaeteren-krankheitsphase-einer-demenz.html

http://www.deutsche-alzheimer.de/unser-service/archiv-alzheimer-info/gedaechtnistraining-fuer-menschen-mit-demenz.html

http://www.deutsche-alzheimer.de/unser-service/archiv-alzheimer-info/verstaendigung-mit-demenzkranken.html

4. Wohnen

Da es den Betroffenen im Laufe der Demenzerkrankung zunehmend schwerfällt, sich in ihrem täglichen Umfeld zu orientieren, ist es sehr wahrscheinlich, dass Sie sich im Laufe der Erkrankung Gedanken über räumliche Veränderungen machen müssen. Sei es, dass Sie sich überlegen, mit wem oder bei wem der demenziell Erkrankte bei einer Verschlechterung des Zustandes wohnen kann oder wie die Wohnung den neuen Bedürfnissen anzupassen ist. Auch in diesem Bereich ist eine rechtzeitige stufenweise Erweiterung des Hilfe- und Unterstützungssystems unabdingbar, um Krisen oder eine vorzeitige Institutionalisierung (Altenheim, Klinik) zu vermeiden und eine stadiengerechte Versorgung des Erkrankten zu erreichen.

Wohnungsanpassungen

Vielleicht stellen Sie fest, dass es dem demenzkranken Menschen immer schwerer fällt, sich in der eigenen Wohnung zurechtzufinden. Zwar bieten die gewohnte Umgebung und die vertrauten Erinnerungsgegenstände dem Erkrankten ein gewisses Sicherheitsgefühl und Geborgenheit, es kann aber sein, dass die vorhandenen Orientierungshilfen durch den Erkrankten im Verlauf nicht mehr als solches wahrgenommen werden und Änderungen im Wohnraum sinnvoll erscheinen. Allerdings sollte dabei berücksichtigt werden, dass sich Veränderungen bzw. Neuerungen auch verwirrend oder sogar beängstigend auf den demenziell Erkrankten auswirken können. Die Änderungen sollten deshalb schrittweise eingeführt und nur durchgeführt werden, wenn diese wirklich notwendig sind.

Um der erkrankten Person die räumliche Orientierung zu erleichtert, sind folgende Maßnahmen sinnvoll:

Hilfreich kann bei diesen Fragen der Besuch einer Wohnberatungsstelle sein.

Zusätzlicher Link:

http://www.nullbarriere.de/wohnberater.htm

http://www.demenz-service-nrw.de/files/bilder/vereoffentlichungen/DSZ_10.pdf

Ein weiterer wichtiger Aspekt ist die Sicherheit in der Wohnung des demenziell Erkrankten. Es ist oftmals schwierig, die richtigen Maßnahmen zur Unfallvermeidung herauszustellen, und dabei das Risiko der Selbst- und Fremdgefährdung einerseits und die Würde der erkrankten Person auf der anderen Seite abzuwägen. Es sollte darauf geachtet werden, dass die Eigenständigkeit des Betroffenen so gering wie möglich eingeschränkt wird und der demenziell Erkrankte sich nicht überwacht oder überbehütet fühlt. Es sollten Gefahrenquellen im Wohnraum identifiziert und möglichst beseitigt werden.

Unfälle lassen sich beispielsweise durch folgende Punkte vermeiden:

Zeitschaltuhren oder Gas- und Temperaturmelder gesichert werden.

Des Weiteren zeigen demenziell erkrankte Menschen, vor allem im mittleren Stadium der Krankheit, häufig einen ausgeprägten Bewegungsdrang. Dieser kann besonders nach einer Umgebungsveränderung gesteigert auftreten. Wenn die erkrankte Person auf der Suche nach Vertrautem die Wohnung/das Haus verlässt, kann sich ein erhebliches Risiko für den demenziell Erkrankten ergeben wenn dieser nicht wieder in die eigenen vier Wände zurückfindet. Ein  „Einschließen“ des Erkrankten sollte allerdings nach Möglichkeit vermieden werden, weil die erkrankte Person dies als unverständliche Strafe oder Bedrohung empfinden kann und darauf evtl. mit Wut oder Panik reagiert.

Folgende Maßnahmen können verhindern, dass die bzw. der demenziell Erkrankte unbemerkt das Haus verlässt:

Folgende Maßnahmen helfen beim Auffinden der erkrankten Person:

Es gibt mittlerweile Alternativen zur Unterbringung des demenzerkrankten Menschen in einem Pflegeheim. Die betreuten Wohngemeinschaften Demenzkranker haben sich zu einer anerkannten Alternative entwickelt und sind in drei verschiedene Typen (Kapitel 4.2 und 4.3) zu kategorisieren:

Wir möchten Ihnen den ambulanten Typus mit zentraler Bezugsperson, den ambulanten Typus mit ausschließlicher Versorgung durch ambulante Pflegedienste und den stationären

Typus innerhalb eines Pflegeheims vorstellen.

Ambulante Einrichtungen

Unter ambulanten Einrichtungen werden in Deutschland auch neue Wohnformen für Demenzkranke gefasst, die einer Wohngemeinschaft entsprechen. Hier kann der betroffene Mensch ein Zimmer mieten. Als finanzielle Belastung ist die Miete für das Zimmer bzw. die Nutzung der Gemeinschaftsräume zu entrichten, anteilig das Geld für die Betreuung der dort lebenden Menschen, evtl. anfallende Kosten für die eigene pflegerische Versorgung durch einen ambulanten Pflegedienst und das Kostgeld. Es werden zwei Wohngemeinschaftsformen unterschieden:

Der ambulante Typus mit zentraler Bezugsperson (“Hausmutter”).

Hiermit sind Wohngruppen von pflegebedürftigen Menschen gemeint, die sich gemeinsam eine Haushälterin anstellen, die als kontinuierliche Ansprechpartnerin (tagsüber) zur Verfügung steht. Bei weniger hilfe- und pflegebedürftigen Bewohnerinnen kann das auch die stundenweise Anwesenheit einer Sozialarbeiterin bedeuten. Darüber hinaus werden grund- und behandlungspflegerische Verrichtungen im Rahmen der etablierten Regelversorgung von selbst gewählten ambulanten Diensten erbracht. Bei diesem Modell des Wohnens bestimmen die Bewohnerinnen mit ihren Angehörigen:

• wer Pflege und Betreuung bereitstellt

• wie Pflege und Betreuung strukturiert sein sollen

• mit wem die Wohnung geteilt wird (keine “Personenneutralität” wie im Heim)

• wie die Wohnung ausgestattet wird

• was gegessen und getrunken wird etc.

Der ambulante Typus mit ausschließlicher Versorgung durch ambulante

Pflegedienste

Die Versorgungsstruktur dieser Wohngemeinschaftsform orientiert sich am tatsächlichen

Pflegebedarf der einzelnen Mitbewohnerinnen. Die erforderliche pflegerische Versorgung der

Bewohnerinnen sichert so die Anwesenheit von Mitarbeiterinnen eines Pflegedienstes.

Es liegt am Geschick der beteiligten Akteure (und häufig am Verhalten des beteiligten

Sozialhilfeträgers), wieviel personelle Kapazitäten für die pflegebedürftigen Menschen zur

Verfügung stehen. Dieses Modell ist zugeschnitten auf bereits erheblich pflegebedürftige/demenzkranke Menschen, die mindestens einen Pflegebedarf der Pflegestufe II nachweisen können.

Stationäre Einrichtungen

Für viele Angehörige ist neben der weiteren Versorgung des Kranken zu Hause die Unterbringung in einem Pflegeheim die einzige Alternative. Oft ist die Entscheidung für den Aufenthalt des Demenzkranken in einer stationären Einrichtung mit Ängsten und Schuldgefühlen seitens der Angehörigen verbunden. Wir möchten an dieser Stelle Ihnen unsere Anerkennung für die von Ihnen übernommene Sorge- und Pflegearbeit des Demenzkranken aussprechen. Es ist kein Eingeständnis von Schwäche, wenn der erkrankte Mensch in einer ambulanten oder stationären Einrichtung von Professionellen betreut wird.

Unter stationären Einrichtungen werden die Seniorenheime zusammengefasst. Einige Einrichtungen haben bereits Wohnbereiche speziell für demenzkranke Menschen eingerichtet. Diese Entwicklung wird als positiv erachtet, weil das Personal geschult werden kann und sich der Alltag in einem Wohnbereich nur für Demenzkranke für diese weniger belastend darstellt. Fragen Sie innerhalb eines Informationsgesprächs in den Seniorenheimen nach. Als besondere Dienstleistung bieten einige Pflegeheime innerhalb der Einrichtung teilautonome Pflegeeinheiten (Wohngemeinschaft des stationären Typs) an, die familienähnlichen Charakter haben (sollen) und sich weitgehend selbst versorgen.

Wichtig für eine gute pflegerische Betreuung Demenzkranker im stationären Bereich ist ein Personalschlüssel der Einrichtung, der der Betreuung durch examinierte Pflegekräfte gerecht wird. Außerdem kann für einen demenzkranken Menschen in einer stationären Pflegeeinrichtung Bezugspflege von Vorteil sein. Bei der pflegerischen Versorgung ist somit eine Pflegekraft speziell für eine bestimmte Gruppe der Bewohnerinnen da und kann evtl. individueller auf die Bewohnerinnen eingehen. Wenn Demenzkranke ein dem Krankheitsbild angepasstes Pflege- bzw. Betreuungskonzept vorfinden, haben sie leichter die Möglichkeit, sich neu einzufinden.

Die folgenden Links zeigen die in Bochum existierenden Einrichtungen:

http://www.pflegehilfe.org/Suche/Pflegeheim/Bochum.aspx?gclid=CIaw6o_x7LMCFZHRzAodUlsA1g

http://www.bochumer.net/pflegedienste.html

http://www.bochumer.net/altenheime.html

http://www.gkv-spitzenverband.de/media/dokumente/pflegeversicherung/beratung_und_betreuung/betreuungskraefte/GKV_Schriftenreihe_Band_9_Pflege_Betreuungskraefte.pdf

5. AAL

AmbientAssisted Living (AAL, auf Deutsch Altersgerechte Assistenzsysteme für ein selbstbestimmtes Leben, umgebungsunterstütztes Leben, selbstbestimmtes Leben durch innovative Technik oder Assistenzsysteme fürs Alter).

Hier finden Sie diverse Unterstützungsmöglichkeiten, die das alltägliche Leben vereinfachen mit dem Ziel des Erhaltens und Förderung der Selbstständigkeit:

Quellenangaben für dieses Kapitel:

Kastner, U.; Löbach, R. (2007): Handbuch Demenz. Urban & Fischer: München, Jena.

BMG – Bundesministerium für Gesundheit (Hrsg.) (2009): Wenn das Gedächtnis nachlässt – Ratgeber: von der Diagnose bis zur Betreuung. Publikationsversand der Bundesregierung: Rostock.

6. Die Situation der Angehörigen

Diese Seite richtet sich speziell an Sie als pflegende Angehörige eines demenzkranken Menschen. Studien über pflegende Angehörige haben eine Belastung von Körper und Seele beschrieben. Daher ist es unser Anliegen, Ihnen bei Bedarf Hilfestellung zu geben, damit Sie mit Ihren Kräften haushalten und wissen, dass es auch für Sie Hilfe geben kann. Die bereits zuvor genannten Beratungsstellen der DRK-Alzheimerhilfe und Gesellschaft bieten Ihnen als Angehörigen Beratungsgespräche an, in denen Ihre Belastung besprochen wird und Lösungswege erarbeitet werden. Informieren Sie sich. Zunächst wird empfohlen, dass Sie sich über die Erkrankung informieren. Neben der Gesellschaften oder die bundesweite Hotline (0180 / 3366633) der Alzheimer-Hilfe wichtige Ansprechpartner. Je besser Sie über die Krankheit informiert sind, desto leichter wird es Ihnen fallen, mit schwierigen Situationen umzugehen. Darüber hinaus gibt es viele Möglichkeiten, sich Rat zu holen oder sich mit anderen Betroffenen auszutauschen. Angehörigen-Selbsthilfegruppen geben Ihnen die Möglichkeit, sich mit anderen Menschen zu treffen, die in einer ähnlichen Situation sind. Hier können Sie offen über Ihre Gefühle und Probleme reden und gemeinsam mit anderen nach Lösungen für bestimmte Probleme suchen. Achten Sie auf Ihre Bedürfnisse.

Bei aller Pflege und Sorge um den Demenzkranken möchten wir Ihnen empfehlen, auch Ihre eigenen Bedürfnisse nicht zu vernachlässigen. Probleme treten nicht nur durch und Lebensplanung, das Gefühl des Angebundenseins, Zukunftsängste und fehlende Anerkennung durch andere Personen. Nehmen Sie sich daher Zeit für sich selbst. Schaffen Sie sich Freiräume, in denen Sie ausspannen und sich etwas Gutes tun können. Arrangieren Sie sich mit anderen Familienmitgliedern oder Bekannten, dass diese die Betreuung zu bestimmten Zeiten übernehmen. Es gibt auch die Möglichkeit, Hilfe von institutioneller Seite anzunehmen, z.B. von speziellen Tagesstätten für Demenzkranke oder die Möglichkeit der Kurzzeitpflege in Heimen. Wir haben bereits in Kapitel 3 auf diese Möglichkeiten hingewiesen.

Denken Sie daran:

Wenn Sie sich übernehmen, schadet das allen Beteiligten. Nur wenn Sie sich Ihre persönlichen Freiräume schaffen und Zeit haben, sich zu regenerieren, so können Sie auch die Pflege bewältigen.

Angehörigenberatung

Beratungsstellen in Bochum finden Sie unter folgenden Links:

Demenzservicezentrum Ruhr

http://www.alzheimer-bochum.de/

http://www.bochum.de/C125708500379A31/vwContentByKey/W276RCU5179BOLDDE

Im Internet gibt es verschiedene Informationsseiten, die sich speziell an Angehörige demenzkranker Menschen richten:

www.alzheimerinfo.de/faq/angehoerigen-unterstuetzen/

http://www.deutsche-alzheimer.de/index.php?id=5

www.zukunftsforum-demenz.de

Eigene Belastungen erkennen

Wenn Sie Interesse daran haben, Ihre Belastung zu messen, so möchten wir Ihnen die häusliche Pflege-Skala als Fragebogen zur Selbsteinschätzung empfehlen:

Bitte beantworten Sie die dort gestellten Fragen und zählen Sie die Werte zusammen.

Sollte der errechnete Wert hoch sein (d.h. zwischen 21 und 30 Punkten liegen), wenden Sie sich an eine Beratungsstelle in Ihrer Nähe.

Den Fragebogen finden Sie unter folgender Adresse:

Häusliche Pflegeskala

7. Finanzielle Hilfen für Angehörige

In diesem Kapitel soll die Ihnen gesetzlich zustehende finanzielle Unterstützung seitens der Pflegekassen vorgestellt werden. Die Pflegeversicherung wurde 1996 für die Dämpfung des Kostenaufkommens bei Pflegebedürftigkeit eingeführt, unabhängig ob die Versicherten privat oder gesetzlich versichert sind. Pflegebedürftige Menschen haben Anspruch auf Unterstützung durch die gesetzliche Pflegeversicherung. Ob und wie viel diese zahlt, hängt vom Grad der Pflegebedürftigkeit ab.

Leistungen der Pflegekassen

Pflege zu Hause:

-       Geld- und Sachleistungen (auch ohne Pflegestufe)

-       Beratungseinsatz

-       Kombination aus Sachleistung und Pflegegeld

-       Pflegehilfsmittel/ Umbaumaßnahmen

Weitere Betreuungs- und Entlastungsleistungen:

-       Diese stehen (seit dem 01.01.2015) allen Personen zu, die Pflegeleistungen im ambulanten Bereich erhalten

-       Angebote sind bspw.: -Einzel- oder Gruppenangebote

-Unterstützung im Haushalt

-Unterstützung pflegender Angehöriger

Pflege im Heim:

-       Pflegebedingte Leistungen (Höhe ist von der Pflegestufe abhängig)

-       Medizinische Behandlungspflege (Höhe ist von der Pflegestufe abhängig)

-       Soziale Betreuung (Höhe ist von der Pflegestufe abhängig)

Leistungen für Pflegepersonen:

-       Leistungen werden übernommen, wenn eine Pflege von mindestens 14 Stunden in der Woche durchgeführt werden

-       Freistellung von der Erwerbstätigkeit bis zu 10 Arbeitstage

-       Lohnersatzleistung wird für diese Zeit gezahlt

-       Unbezahlte Auszeit bis zu 6 Monaten ist möglich

Über den Grad der Pflegebedürftigkeit und den Anspruch auf die entsprechenden Leistungen entscheidet der Medizinische Dienst der Krankenkassen (MDK), der den Erkrankten nach einem Hausbesuch einer Pflegestufe zuordnet.

Eine Überprüfung der Einstufung findet jährlich statt. Bei Verschlechterung bzw. Verbesserung der Pflegebedürftigkeit kann dem MDK auch zwischenzeitlich die Veränderung mitgeteilt werden, die dann durch eine Veränderung der Pflegestufe berücksichtigt wird.

Die Leistungen der Pflegeversicherung werden für die häusliche Pflege sowie für die stationäre Versorgung anteilmäßig gezahlt. Pro Pflegestufe gibt es drei unterschiedlich hohe Vergütungen. Die geringste erhalten pflegende Angehörige (Pflegegeld), etwas mehr bekommen professionelle Pflegedienste, die in Anspruch genommen werden (Sachleistungen) und am höchsten vergütet ist die Unterbringung in einem Heim.

Die Kosten für Hilfsmittel, z.B. Rollstuhl, Toilettensitzerhöhung usw. bzw. für den Umbau der Wohnung, werden gegebenenfalls von der Pflegekasse oder der gesetzlichen Krankenversicherung übernommen.

Zusätzlich zu den Leistungen der Pflegekasse besteht die Möglichkeit über das Pflegeleistungsergänzungsgesetz Leistungen für „Pflegebedürftige mit erheblichem allgemeinen Betreuungsbedarf“ zu erhalten. Auch das Sozialamt beteiligt sich an den Pflegekosten nach entsprechender Prüfung des Vermögens des Demenzkranken und seiner Familie. Des Weiteren besteht die Möglichkeit, einen Schwerbehindertenausweis mit den damit verbundenen Vorzügen zu beantragen. Abschließend noch der Hinweis darauf, dass pflegende Angehörige im erwerbstätigen Alter für ihre Pflegetätigkeit (ab einem Aufkommen von 14 Stunden) von der Pflegekasse gezahlte Rentenbeiträge erhalten können. Außerdem besteht für sie eine Unfallversicherung.

Pflegestufen

Für die Zuordnung einer Pflegestufe ist nicht die Diagnose des Arztes entscheidend, sondern der zeitliche Aufwand für die Grundpflege (Hilfe bei Körperpflege, Ernährung und Mobilität).

Je nach Schweregrad der Pflegebedürftigkeit werden drei Pflegestufen unterschieden. Die Anleitung, Unterstützung bzw. die Durchführung der Hilfestellung wird in Pflegeminuten für alltägliche und regelmäßig wiederkehrende Verrichtungen berechnet. Daraus ergibt sich die Festlegung der Pflegestufe.

Die Broschüre “Was ist wenn…?” der Landesstelle Pflegende Angehörige beantwortet 18 Fragen zum Thema häusliche Pflege und kann auch unter der Rufnummer 0251/27051767 bezogen werden.

Für Menschen mit einem besonderen Betreuungsbedarf kann die Pflegestufe 0 bewilligt werden. Zu dieser Gruppe zählen vor allem Patienten mit einer Demenzerkrankung. Maximal 2.400,- Euro pro Jahr – je nach festgestelltem Bedarf – können Patienten der Pflegestufe 0 ihrer Versicherung in Rechnung stellen (vgl. Pflegeleistungsergänzungsgesetz). Die Angehörigen dürfen das Geld flexibel einsetzen, sei es für eine Haushaltshilfe, für ein Gruppenangebot außer Haus oder stundenweise Betreuung durch Fremde daheim.

Unter folgendem Link des Bundesministeriums für Gesundheit finden Sie eine PDF- Datei, die alle Informationen bzgl. der Pflegeleistungen seit dem 01.01.2015 enthält:

http://www.bmg.bund.de/fileadmin/dateien/Downloads/P/Pflegestaerkungsgesetze/Tabellen_Plegeleistungen_BRat_071114.pdf

Leistungen der gesetzlichen Krankenversicherung:

Ärztliche Behandlung:

Zahnärztliche Behandlung:

Arzneimittel, Verbandmittel:

Haushaltshilfe

 

Hilfsmittel:

Heilmittel

Krankenhaus:

Reha und Vorsorge

Prävention, :

Häusliche Krankenpflege

 

Hospize

Allgemeine finanzielle Hilfen

Grundsicherung im Alter sowie bei Erwerbsminderung: Zur Sicherung des Lebensunterhaltes können Senioren ab 65 Jahren oder junge Menschen ab 18 Jahren, soweit sie aus gesundheitlichen Gründen dauerhaft voll erwerbsgemindert sind, Grundsicherung im Alter und bei Erwerbsminderung beantragen. Die Leistungsgewährung ist abhängig von der Bedürftigkeit. Eigenes Einkommen und Vermögen werden wie bei der Sozialhilfe berücksichtigt. Die Bewilligung der Leistung erfolgt in der Regel für eine Jahr.

Wohngeld: Wohngeld gibt es als Mietzuschuss für den Mieter einer Wohnung oder eines Zimmers und als Lastenzuschuss für den Eigentümer eines Eigenheimes oder einer Eigentumswohnung. Rechnen Sie Ihren Wohngeldanspruch aus.

Vergünstigungen

Rundfunkgebührenbefreiung (GEZ): Sollten Sie nicht in der Lage sein die Rundfunkgebühren zu zahlen, müssen entsprechende Anträge zur Befreiung bei der GEZ gestellt werden. Antragsformulare können schriftlich oder telefonisch bei der GEZ angefordert werden (http://www.rundfunkbeitrag.de/ oder Service-Telefon: 018 59995 0100*).

Sozialtarif Deutsche Telekom: Wenn Sie von der Rundfunkgebührenpflicht befreit sind, können Sie darüber hinaus bei der Deutschen Telekom einen Sozialtarif beantragen. Diese Möglichkeit besteht auch für Personen, die blind, gehörlos oder sprachbehindert sind, sofern der Grad der Behinderung mindestens 90 % beträgt. Der Sozialtarif der Telekom gilt nur für Privatkunden, die Inhaber eines Festnetzanschlusses der T-com sind (http://hilfe.telekom.de/hsp/cms/content/HSP/de/3378/faq-1001867)

8. Rechtliche Aspekte bei Demenz

Wenn Sie sich mit der Demenzerkrankung auseinandersetzen müssen, so ist es besonders wichtig, dass Sie sich über die rechtlichen Aspekte bei Demenz informieren. Erst dann können gesundheitliche und finanzielle Angelegenheiten im Sinne des Erkrankten entschieden werden. Im Verlauf des Krankheitsprozesses geht die Fähigkeit, eigenverantwortliche Entscheidungen zu treffen, verloren. Daher ist es erforderlich, dass Angehörige bzw. vertraute Personen eine Entscheidungsvollmacht vom demenzkranken Menschen erhalten. Verständlicherweise fällt es jedem Menschen schwer, die Entscheidungsgewalt einem anderen Menschen, selbst wenn es der Ehepartner oder das eigene Kind ist, zu übertragen. Mit Hilfe der folgenden Vollmachten kann ein Mensch seinen Willen bekunden und dennoch durch eine Person des persönlichen Vertrauens vertreten lassen. Wichtig ist die frühzeitige Auseinandersetzung mit diesem Thema.

Gesetzliche Initiativen für Angehörige

Dieses Kapitel zeigt zwei gesetzliche Initiativen auf, die dazu beitragen können, die Pflegetätigkeit und das Berufsleben zu vereinbaren. Zuvor sollte jedoch die Pflegeversicherung erwähnt werden.

Der am 01. Januar 1995 in Kraft getretene fünfte Teil der Sozialversicherung wird Arbeitnehmern und Arbeitgebern finanziert.

Laut dieser Versicherung haben die Pflegebedürftigen die Möglichkeit der Entscheidung, ob professionelle Hilfe oder lieber informelle Pflege in Anspruch genommen wird. Der Versicherte hat also die Wahl zwischen Pflege- und Geldleistungen.

Die Pflegeleistungen decken häufig nicht alles ab. Es wird nur die Grundversorgung gewährleistet. Zusätzliches muss der Versicherte selbst, oder seine Familie tragen, weshalb die Versicherung auch Teilleistungs-Versicherung oder Kernsicherungssystem genannt wird.

Dieser Hintergrund verdeutlicht die enorme Wichtigkeit einer Berufstätigkeit und erklärt, warum viele diese Doppelbelastung in Kauf nehmen müssen.

Versucht man also die Erwerbstätigkeit und die Pflegetätigkeit zu vereinbaren, bedarf es diverser Rahmenbedingungen, damit dieses geschehen kann.

Zu diesen gesetzlichen Initiativen zählen das Pflegezeitgesetz von 2008, welches im Rahmen des Pflege- Weiterentwicklungsgesetzes entstanden ist, und das Familienpflegegesetz von 2012.

„Das Gesetz über die Pflegezeit (Pflegezeitgesetz) ist am 1. Juli 2008 als Artikel 3 des Pflege-Weiterentwicklungsgesetzes in Kraft getreten. Ziel der Pflegezeit ist es, den Arbeitnehmern zu ermöglichen, sich für eine begrenzte Zeitdauer ohne Entgeltfortzahlung von der Arbeit freistellen zu lassen oder in Teilzeit zu arbeiten, um pflegebedürftige Angehörige zu betreuen und zu versorgen”.

Das Pflegezeitgesetz ermöglicht einen maximal zehntägigen Sonderurlaub oder eine entgeltfreie Auszeit von nicht mehr als sechs Monaten zur Organisation einer Pflegesituation bzw. eines Pflegearrangements zu wählen. Ein Rechtsanspruch besteht jedoch nur bei Firmen, die mehr als 15 Mitarbeiter haben.

Das Familienpflegezeitgesetz setzt für Arbeitgeber einen Anreiz, durch einen Entgeltvorschuss das Einkommen von Beschäftigten aufzustocken, die wegen der Pflege eines nahen Angehörigen für einen Zeitraum von maximal 24 Monaten ihre Arbeitszeit auf bis zu 15 Wochenstunden reduzieren.

Das Familienpflegegesetz ermöglicht eine maximale Pflegzeit von zwei Jahren bei bestehendem Arbeitnehmerstatus.

In diesem Fall wird ein Arbeitszeit-Wertkonto erstellt, welches den Arbeitnehmer befähigt beispielsweise zwei Jahre in Teilzeit auf 50% zu arbeiten, er jedoch ein Gehalt von 75% erhält. Im Gegenzug muss der Arbeitnehmer weitere zwei Jahre auf 100% arbeiten, erhält für diesen Zeitraum jedoch weiter 75% bis das Wertkonto ausgeglichen ist.

Damit der Arbeitgeber keinen Nachteil durch diese Regelung hat, kann er ein zinsloses Darlehen beim Bundesamt für Familie und zivilgesellschaftliche Aufgaben beantragen. Der Arbeitnehmer muss wegen dem Ausfallrisiko, das durch Tod oder Erwerbsunfähigkeit der Pflegeperson entstehen kann, eine Pflegezeitversicherung abschließen.

Gegen diese Initiative spricht, dass es hier keinen Rechtsanspruch gibt, d.h. es ist nur eine Vereinbarung zwischen Arbeitnehmer und Arbeitgeber. Weiter ist das Führen eines Wertkontos mit einem erheblichen Mehraufwand an Bürokratie verbunden.

http://www.bmfsfj.de/

Das am 1. Juli 2008 in Kraft getretene Pflege-Weiterentwicklungsgesetz greift die bisherigen Erfahrungen mit der Pflegeversicherung auf und geht noch besser auf die Wünsche und Bedürfnisse der einzelnen Personengruppen ein.Das Bundesministerium für Gesundheit ist für das Pflege-Weiterentwicklungsgesetz zuständig.

So ist innerhalb dieses Gesetzes eine Betreuungskraft nach § 87b SGB XI entstanden:

http://www.gkv-spitzenverband.de/media/dokumente/pflegeversicherung/beratung_und_betreuung/betreuungskraefte/GKV_Schriftenreihe_Band_9_Pflege_Betreuungskraefte.pdf

Weitere hilfreiche Links:

SGB V

http://www.gesetze-im-internet.de/sgb_5/

§ 44 Krankengeld

http://www.gesetze-im-internet.de/sgb_5/__44.html

§ 132 a Versorgung HKP

http://www.gesetze-im-internet.de/sgb_5/__132a.html

SGB IX

§ 2 Behinderung

http://www.gesetze-im-internet.de/sgb_9/__2.html

SGB XI

§ 7 a) Pflegeberatung

http://www.gesetze-im-internet.de/sgb_11/__7a.html

§ 36 Pflegesachleistungen

http://www.gesetze-im-internet.de/sgb_11/__36.html

§ 41 Tages- & Nachtpflege

http://www.gesetze-im-internet.de/sgb_11/__41.html

§ 42 KZP

http://www.gesetze-im-internet.de/sgb_11/__42.html

§§ 44 u. 45 (Angehörige)

http://www.gesetze-im-internet.de/sgb_11/__44.html

http://www.gesetze-im-internet.de/sgb_11/__44a.html

http://www.gesetze-im-internet.de/sgb_11/__45.html

http://www.gesetze-im-internet.de/sgb_11/__45a.html

http://www.gesetze-im-internet.de/sgb_11/__45b.html

http://www.gesetze-im-internet.de/sgb_11/__45c.html

Gut zu wissen!

Ehegatten, Kinder oder nahe Angehörige von Betroffenen sind keine gesetzlichen Vertreter und gelten auch nicht automatisch als Bevollmächtigte! Eventuell ist es ratsam, dass vor dem Erstellen einer Vollmacht die Geschäftsfähigkeit bzw. Testierfähigkeit des Ausstellenden vom Facharzt attestiert und vom Notar beglaubigt wird. Im Falle der Testamentserstellung ist die uneingeschränkte Geschäftsfähigkeit des Erblassers erforderlich. Hier stellt der Notar die Testierfähigkeit seines Mandanten fest. Bei Vollmachten und Patientenverfügungen beugt es Zweifel an getroffenen Entscheidungen vor. Das Attest sollte den Formularen beigefügt werden.

8.1 Die Patientenverfügung

Mit der Patientenverfügung wird der eigene Wille bezüglich gewünschter oder unerwünschter medizinischer Behandlungsmaßnahmen festgehalten. Diese Verfügung sollte möglichst alle sechs bis zwölf Monate erneuert werden, um aktuell zu sein. Sie sollte mit einer Vorsorgevollmacht kombiniert werden, in der eine Person des Vertrauens als Entscheidungsträger eingesetzt ist. So haben Ärzte bei lebensbedrohlichen Eingriffen oder lebensverlängernden Maßnahmen eine Entscheidungshilfe, wenn die betroffene Person keine eigenen Entscheidungen treffen kann.

8.2 Die Betreuungsverfügung

Durch eine Betreuungsverfügung wird eine Person des eigenen Vertrauens von einem Vormundschaftsgericht benannt. Diese Verfügung regelt die Aufgaben eines Betreuers. Ohne eine Betreuungsverfügung wird im Falle der Betreuung vom Vormundschaftsgericht ein gesetzlicher Betreuer beim Amtsgericht bestellt. Mit einer Betreuungsverfügung hat das Vormundschaftsgericht jedoch eine Entscheidungshilfe, wer im Falle einer Betreuung als Betreuer eingesetzt oder sogar ausgeschlossen werden soll.

8.3 Die Gesundheitsvollmacht

Mit einer Gesundheitsvollmacht wird eine Person des Vertrauens beauftragt, den eigenen Willen gegenüber den Ärzten durchzusetzen. Sie ist gültig in Bezug auf gesundheitliche Fragen

8.4 Die Vorsorgevollmacht

Während die Gesundheitsvollmacht die Durchsetzung gesundheitlicher Belange regelt, tritt die Vorsorgevollmacht in Kraft, wenn finanzielle und rechtliche Angelegenheiten entschieden werden müssen. Mit der Vorsorgevollmacht ist der Bevollmächtigte in der Lage, rechtswirksam zu agieren.

http://www.caritas.de/21161.html

8.5 Die Generalvollmacht

Wenn die Aufgaben der oben genannten Vollmachten in die Hand einer einzigen Person gegeben werden sollen, dann kann eine Generalvollmacht erstellt werden.

8.6 Das Testament

In einem Testament hält der Erblasser fest, wie sein Vermögen im Falle seines Todes zuverteilen ist (Erbeinsetzung). Durch ein Testament ist sichergestellt, dass die gesetzlicheErbfolge außer Kraft gesetzt wird, die evtl. gegen den Willen des Verfassers steht. Manunterscheidet ein öffentlich abgefasstes Testament von einem eigenhändig abgefasstenTestament.

Und hier finden Sie den Anwalt in Ihrer Nähe:

http://www.anwalt.de

9. Literatur

Sachweh, Svenja: Spurenlesen im Sprachdschungel, Kommunikation und Verständigung mit demenzkranken Menschen; Hans-Huber Verlag, Bern 2008

Leutke, Friederike: Richtig sprechen mit dementen Menschen;  Reinhard-Verlag, München 2009

 

Martina Döbele und Simone Schmidt: Demenzbegleiter für Betroffene und Angehörige – Informationen und Hilfen für den Alltag (2014) Springer Verlag

Huub Buijssen: Demenz und Alzheimer verstehen. Erleben, Hilfe, Pflege

Ein praktischer Ratgeber (2008) Beltz Verlag

Eva Maria Schmitt und Jan Wojnar: Leitlinien zum Umgang mit Verwirrten.

Schwierige Situationen sicher begegnen (1999) Vincentz Verlag