Patienten mit einem Long-COVID-Syndrom oder einem Post-COVID-Syndrom haben einen hohen Leidensdruck und greifen deshalb nach jedem Strohhalm, der sich ihnen bietet. In den Medien wird über die Möglichkeit berichtet, durch eine Apherese-Therapie (Blutreinigungsverfahren) behandelt werden zu können. Die deutsche Gesellschaft für Nephrologie kann derzeit nicht sagen, ob es sich bei dieser Option um eine vielversprechende Therapie handelt oder ob im Wesentlichen kommerzielle Gründe im Vordergrund stehen.

Die Sprecherin der Deutschen Gesellschaft für Nephrologie (DGfN), Julia Weinmann-Menke, sagt, man kenne zurzeit nur einzelne Fallbeispiele und eine abschließende Beurteilung sei jetzt nicht möglich. So lange keine Klarheit über diese Behandlungsform besteht, können den Betroffenen und deren Angehörigen keine Ratschläge gegeben werden, diese Behandlungsoption zu nutzen. Beim aktuell laufenden Kongress weisen die Spezialisten darauf hin, dass an verschiedenen Universitäten Studien durchgeführt werden, um die Wirkung der Apherese genau überprüfen zu können.

Die Gesellschaft weist auch auf die Nebenwirkungen dieses Verfahrens hin. Derzeit wird die Wirksamkeit von drei Blutreinigungsverfahren geprüft. Die Apherese ist bekannt bei der Behandlung von Patienten mit einer schweren Fettstoffwechselstörung. Dieses Lipidaphereseverfahren wird auch bei der Behandlung des Long-COVID-Syndroms angeboten. Eine weitere Methode ist die sogenannte Immunadsorption, deren Ziel es ist, dass das Blut der Patienten von Antikörpern gereinigt wird. Dieses Verfahren wird manchmal auch eingesetzt bei neurologischen Autoimmunerkrankungen. Das dritte Aphereseverfahren ist der Plasmaaustausch. Bei dieser Methode bekommt der Patient einen Plasmaersatz. Das Blut eines Spenders wird aufbereitet und als Humanalbumin verabreicht. Die Bewertung dieser Freezeverfahren ist deswegen etwas problematisch, weil nicht klar ist, welche Mechanismen zur Entstehung von Long- oder Post-Covid beitragen. Das gilt insbesondere für das Lipidaphereseverfahren. Bisher gibt es keinen Zusammenhang zwischen der Fettstoffwechselstörung und der Post-Covid-Erkrankung. Bei nachgewiesenen Autoantikörpern macht dann noch am ehesten die Immunadsorption Sinn.

Fazit: Bei den hier beschriebenen Verfahren handelt es sich um kostspielige, aufwändige und noch nicht ausreichend gesicherte Methoden, die von Menschen mit hohem Leidensdruck in ihrer Verzweiflung nachgefragt werden. Weitere Untersuchungen müssen abgewartet werden. So wird international ein Post-COVID-Aphereseregister aufgelegt. Es besteht die Hoffnung, mit diesen dann gewonnenen Daten Patienten besser informieren zu können.

mt